Rundwanderungen  
       
 

Drei Rundwanderwege führen zu Wirkungsstätten und Erlebnisplätzen von Ludwig Ganghofer, der erste durch seinen Heimatort Welden, die beiden anderen in die nahen, heißgeliebten Wälder des „Schwäbischen Holzwinkels“ – der original Anschaulichkeit wegen ergänzt durch Ludwig Ganghofers literarische Belege aus dem „Lebenslauf eines Optimisten“:

Rundwanderung 1: Auf Ludwig Ganghofers Spuren in Welden

Rundwanderung 2: „Ganghofer-Weg" im Schwarzbrunnen

Rundwanderung 3: „Jägersteig" und „Hubertussteig"

 
       
    Rundwanderung 1: Auf Ludwig Ganghofers Spuren in Welden       
       














 

Dauer ca. 45 Minuten

1.) Fuggerstraße 1
Ludwig-Ganghofer-Stätte im Landgasthof Hirsch


Anlässlich des 150. Geburtstages am 7. Juli 2005 von der Regio Augsburg, dem Naturpark Augsburg – Westliche Wälder e.V. und dem Wirt Klemens Kugelmann eingerichteter, mediendidaktisch konzipierter Informationsraum über Ludwig Ganghofers Kindheit und Jugendzeit in Welden und deren prägenden Einfluss auf Leben und Werk des Schriftstellers.

Der stattliche Gasthof selbst wird erstmals 1598 urkundlich als „Schwarzer Adler“ erwähnt und besitzt das Metzger-, Back-, Brau- und Brennrecht. Besitzer sind zeitweilig auch die Fugger. Heute ist der Landgasthof eine beliebte Einkehr. Zu Ganghofers Zeiten spricht der Volksmund nur vom „Rollewirt“. Ludwig und seine Freunde suchen verbotenerweise öfter im Heuboden nach Hühnereiern. Bei der kirchlichen Beichte wird ihm vom Pfarrer als Buße auferlegt, bei der Wirtin persönlich Abbitte zu leisten. Ludwig schämt und ziert sich, ganz im Gegensatz zu seinen Freunden. Des Rätsels Lösung: Die beiden anderen jugendlichen Eierdiebe kommen ungerechterweise mit drei „Vater unser“ als Buße davon.

Nördlich weiter bis zum

2.) Marktplatz von Welden

Ludwig Ganghofers persönliche Erinnerung an Welden ist gleichzeitig eine theatralische Inszenierung und Bebilderung einer reinen und heilen Welt mit Manns- und Weibsbildern in klassischer Heimatstück-Rollenbesetzung. Weldener Menschen heute? Hinschauen! Draufzugehen! Ins Gespräch kommen!

„Auch das ganze liebe, lachende Dorf hat beigesteuert zu dieser hellen Mitgift meines Lebens. Aus zehn Jahren meiner Kinderzeit in Welden weiß ich mich unter den Dorfleuten keines schlechten Kerls zu erinnern, keiner gemeinen Sache, keines Menschenschrecks, der mir einen üblen Schatten in die kindliche Seele hätte werfen können. Nur selten hörte man was von einem Diebstahl, von einer groben Gaunerei, von einer richtigen Niedertracht.“
„Ein fester und unverdorbener Schlag! Die erwachsenen Bauern meist hager, mit harten und klugen Gesichtern; die Handwerksleute behäbiger; die jungen Burschen sehnig, stramm und flink; die jungen Weibsleute hübsch, mit reichlichem Haarwuchs, mollig gepolstert, heiter und schwatzlustig. Die Art, wie sie lebten und liebten, hatte immer das Gesicht einer reinlichen Gesundheit.“

Nächste Straße links/westlich zur

3.) Ganghoferstraße 4
Die alte Forstdienststelle (1859 – 1865)


In Welden gibt es anfangs kein eigenes Forsthaus. Nach einem notdürftigen Umbau wird in dem Anwesen eine Dienstwohnung für die Familie Ganghofer angemietet. Im „Lebenslauf eines Optimisten“ finden wir dazu Schlüsselstellen für Ludwigs frühe Liebe zum Theater und seine ersten literarischen Versuche. Später schreibt er sogar ein Märchenbuch, das er seiner Mutter widmet – sicher aus Dank für das Erwecken dieser faszinierenden Welt Ganghofer’scher Fantasie und Illusionen in ausdrucksstarken Wortbildern.

„Vom Söller vor der Kinderstube ging eine Stiege zum großen, dämmerigen Bodenraum hinauf, zu diesem Seligkeitsreiche unter dem elterlichen Dache. Hier konnte man nach Fledermäusen jagen, konnte durch die Dachluken mit dem Blasrohr Erbsen und Lehmkügelchen auf die steifen Bauernhüte hinunterschießen. ... und in einer Kiste wurde hier der kostbarste von unseren Kinderschätzen verwahrt, das große ‚Figurentheater’, ... Die tischgroße Bühne wurde mit kleinen Lämpchen beleuchtet, hatte ein griechisches Portal mit rotem Vorhang, Pappfiguren an Drähten und Klappkulissen mit vier Dekorationen: Grafenzimmer und Bauernstube, Schloßhof und Wald. Auf diesem Theater konnte man zwei Märchen spielen: Dornröschen und Rotkäppchen. Ich war der Schauspieldirektor, der alle Figuren reden ließ, und meine Schwester und Doktors Elsbethle waren das unersättliche Publikum.“

„… im Alter von acht Jahren [verfaßte ich] mein erstes Theaterstück: ‚Die heilige Genoveva‘. Ein Stück, das ... von lebendigen Menschen auf einer wirklichen Bühne gespielt werden sollte! ... Sie wurde nur ein einziges Mal und nur zur Hälfte aufgeführt und erlebte einen blutigen ‚Durchfall’. Ich spielte den frommen Ritter...“ Doch nach zahlreichen, zum Teil blutigen Inszenierungspannen verbietet der Autor und Regisseur das Stück wegen „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“.

„Und wenn sie (Anm.: die Mutter) aus diesen Bändchen vorlas oder, was häufiger geschah, mir eins von den Goetheschen Liedern auswendig vorsagte, das war immer wie Gottesdienst.“ „Für alles, was Wort hieß, was in Versen klang, hatte ich ein flinkes und dauerndes Gedächtnis“.

In dem damals feuchten Haus erkrankt die Mutter an Typhus. Grund genug, 1865 ein neues Forsthaus zu bauen. Das alte Haus brennt 1924 ab und wird neu gebaut.

4.) Laugnabrücke

„Meine klare und sichere Heimat, die ich bis ins kleinste kannte, das war und blieb die Bachgasse...“ mit Blick „nach der großen Holzbrücke, die man die ‚Mucklsbruck’ nannte, weil sich auf ihrem Geländer ein heiliger Nepomuk in schwarzem Talar und weißem Chorhemd erhob, der ein hölzernes Gebetbuch zärtlich an sein Brust drückte; unter seiner linken Achselhöhle war immer ein Spatzennetz.“

Neben der heutigen Laugnabrücke steht eine große Orientierungskarte. Auf ihr ist der Laugnalauf erkennbar. Sie ist der zentrale Bach des Schwäbischen Holzwinkels, entspringt bei Adelsried an der Autobahn und mündet nach ca. 22 Kilometern bei Wertingen in die Zusam, die ihrerseits nach weiteren 19 Kilometern in Donauwörth in die Donau mündet. Ihr Name leitet sich vom keltischen Begriff für „kleines Wasser“ ab und verweist damit auf die Kelten, deren weiteres Zeugnis die Viereckschanze bei Reutern darstellt. Wenn immer möglich, sind Ludwig und die anderen Lausbuben an der Laugna zum Schwarzfischen und anderen Streichen unterwegs.

„ .. an Gefahr dachten wir damals nicht, nur an etwas Schönes. Uns konnte doch nichts passieren! Wir hatten ja unser ‚Sprüchle’ und waren ‚fest’. Ohne schwimmen zu können, bin ich ein paarmal in die Laugna gefallen, wo sie am tiefsten war“ „… zum Schlusse dieser Zauberformel [musste man] die Daumen einziehen, die Fäuste nach rückwärts strecken und dabei mit geschlossenen Augen gegen die Sonne rufen…: ‚Fescht! Fescht! Fescht!‘ Mit geschlossenen Augen! Ich glaube, das war das wichtigste an diesem Zauber.“

Ich war „erfüllt von einem trotzigen Knabenmut, der immer stärker war als meine Kraft; immer durchzappelt von einer ruhelosen Aufregung; unersättlich in der tollenden Freude; leichtgläubig und vertrauensselig; immer mit einem surrenden Traum im heißen Bubenköpfl, immer durchzittert vom brennenden Erwarten einer schönen Sache.“

„ ... mein Lehrmeister im Fischen, im Pfeilschnitzen und Balesterschießen (=Armbrust-Kugelschießen), im Drachenbau und Vogelfang ... war der Onkel Xaveri (Anm.: Vater seines Freundes Alfons aus der Laugnastraße 9). In meiner Skizzensammlung „Die Jäger“ hab’ ich von ihm eine kleine merkwürdige Geschichte erzählt, bei der ich lernte, dass ...“ „Diesem ruhigen Manne hab ich viel zu danken – nicht nur das eine, dass ich geschickte Hände bekam.“

Am neuen Schulhaus vorbei zur

5.) Uzstraße 3 (neben der Kirche)
Das (abgebrochene) alte Schulhaus


Wie’s sich der Ordnung halber gehört: Kirche, Schule und Wirtshaus bilden früher zusammen den Ortskern von Welden. Das 1820 erbaute alte Schulhaus aus Ludwig Ganghofers Zeiten ist längst abgebrochen. Welchen Wert Ludwig Ganghofer seiner vierjährigen Weldener Schulbildung (1861 – 65) beimisst, bedarf keines weiteren Kommentars.

„Von dem Entwicklungsgang der Weisheit, die da vor hundert Kindern verzapft wurde, ist mir wenig in Erinnerung geblieben... die Kunst des Rechnens... hab ich nie gelernt, auch später nicht.“

Nebenan

6.) Uzstraße
Barocke Pfarrkirche Mariä Verkündigung


Weldens Pfarrkirche ist ein kunsthistorisches Barock-Juwel aus dem Jahr 1731 im Wessobrunner Stil, Fugger’sches Sponsoring respektabel zur Schau stellend. Joseph Schmuzer als Baumeister und Stuckentwerfer, Matthäus Günther als Freskant, Balthasar Amann, Stephan Luidl, Matthäus Gundelach, um nur einige Künstler zu nennen – alles, was seinerzeit im süddeutschen Kirchenbau Rang und Namen hat, darf und soll das Gotteshaus mitgestalten. Barock geprägte Volksfrömmigkeit fand und findet hier ihren gemeinsamen sonntäglichen Festsaal. Ludwig Ganghofer kennt die Kirche, so wie sie sich heute noch zeigt, bestens. Erst durch seine ansehnliche Spende kann 1919 die Orgel angeschafft werden, die noch heute die volksfromm-ausdrucksstarken Gottesdienste musikalisch zur barocken Feier werden lässt.

„Ich wurde Ministrant, trug mit Stolz die rote oder schwarze Kutte, ... lernte mit Vergnügen die lateinischen Gebete, die ich außerhalb der Kirche bei allen unpassenden Gelegenheiten anwandte, und... freute[…] mich besonders darüber, daß mich die Eigenart meines Ministrantendienstes mehr aus der Kirche entfernte, als in der Kirche festhielt.“ „… überkamen mich doch immer wieder selig-süße Minuten, in denen ich vor dem Altar, beim Rauschen der Orgel und im Duft der Weihrauchwolken allen irdischen Boden verlor und mit träumerisch verzückter Knabenseele gen Himmel flog.“

7.) Uzstraße 6
Pfarrhof


Hochwürden Pfarrer wohnt dort, zu Ludwig Ganghofers Zeit ein „großmächtiges, breitschultriges Mannsbild“, der „dritthalb Zentner wog“ zusammen mit seiner an „Menschenfreundlichkeit und Gewicht ihm ebenbürtige[n] Wirtschafterin“. „Wären die beiden Mann und Frau gewesen, sie hätten nicht wohliger zusammen hausen können.“

Diese das Zölibat sehr liberal lebenden Vorbilder prägen die Religiosität Ludwigs ebenso wie sein Ministrantenamt, und natürlich auch die Religiosität seiner Eltern. Ihm gefällt „jene seltene Art von Religion, die den Menschen glücklicher, lebensruhiger, froher und zufriedener macht“, wie sie das „Pfarrherrle“ von Hegnenbach vorlebte.

„Von diesem Gotte liebte die Mutter zu sagen: ‚Mein Herrgöttle ischt ein seelenguts Männdle!... Kirch ischt allweil und überall!‘ Drum hatte sie… auch keine steinerne Kirche nötig, kein Dogma und keine Formel.“

Der Vater glaubt an einen „Gott, der ruhelos gegen die Schatten seines eigenen Lichtes, gegen die widerstrebenden Kräfte seiner eigenen Schöpfung rang – Monismus, der sich wundersam vermischte mit pantheistischen Vorstellungen, die das jahrzehntelange Leben in der Natur meinem Vater gegeben hatte, mit buddhistischen und platonischen Ideen, mit Träumen von einer läuternden Wanderung der Seele.“

8.) Uzstraße 9

Haus des pensionierten Revierförsters Bauer, Vorgänger von August Ganghofer

Wie so oft im Leben, macht der Vorgänger seinem Nachfolger das Leben „mit allerlei Hetzereien“ schwer, „bis eine Haussuchung bei dem würdig aussehenden Herrn zwei gewilderte Rehgeißen im Keller fand. Dann war Ruhe.“

Sind da nicht schon Wilderer-Abenteuer und „Schurkenrolle“ späterer Heimatromane vorgezeichnet?

Südlich geradeaus weiter

9.) Uzstraße 2
Bäckerwirt


Das heutige, stattliche Anwesen mit der Gaststätte, ortsüblich nur „Unteres Schloss“ genannt, dient von 1765 bis 1803 als Amtshaus der Markgrafschaft Burgau, die wiederum ein Teil der vorderösterreichisch-habsburgischen Lande ist. Ludwig Ganghofer holt hier im Krug Bier für den Vater, wie das früher so üblich ist.

10.) Bahnhofstraße 15
Ganghofer’sches Forsthaus (Erinnerungstafel)


1865 ein „prächtiges Haus mit hübscher Veranda und lustiger Altane. Ein Garten, so groß, daß man den Atem verlor, wenn man rings um den Zaun herumlief, ohne anzuhalten!“ Im Erdgeschoss der Wohnbereich und die Forstkanzlei. Oben Schlaf- und Fremdenzimmer. Und ganz oben Ludwigs
„ ‚Buebestüble’, eine[…] gemütliche[…] Mansarde unter dem Dachgiebel, ... durch das ich fast alle Häuser des Dorfes, den Theklaberg und das lange Tal der Laugna ... überblicken konnte.“ Ludwig erkrankt unter einem scheinbar rätselhaften Gehirnleiden, „wie Papa sich auszudrücken pflegte, an der ‚Geländeritis‘ “, das den Ludwig instinktiv zum Rutschen über alle vorhandenen Treppen- und Brückengeländer verführt – auch noch als Erwachsenen. Rasch wird das Haus geselliges Zentrum der Verwandtschaft, besonders zu den Festtagen, und des ‚Konsumvereins’, einer geselligen Holzwinkler Honoratiorenrunde.

Seit der Forstreform 1973 dient das Gebäude als evangelisches Gemeindezentrum St. Thomas. Im ehemaligen Ökonomiegebäude befindet sich heute das Gotteshaus.'

Weiter über die Talstraße zur Laugna. Rechts folgt der Holzwinkelsaal. Abschließender Höhepunkt ganz im Sinne des Wortes: Von der Fuggerstraße weniger steil über den Neuleblangsteig hinauf zum Theklaberg. Direkte Variante: nördlich bis zum Marktplatz und die steilen Stufen des Theklaberges hinauf. Auffahrt ist auch mit dem Pkw über Fuggerstraße, Galgenberg und Lauterbrunner Straße möglich (Parkplatz).

11.) Theklaberg: Rokoko-Klosterkirche St. Thekla

Nach einem Gelübde von Graf Joseph Maria Fugger von Wellenburg 1755 in dominanter Lage hoch über Welden nach Plänen des besten schwäbischen Rokoko-Baumeisters, Hans Adam Dossenberger, errichtet. Eindrucksvoll freskierte illusionistische Altäre von Johann Baptist Enderle ergänzen sich mit den verspielten Stukkaturen Franz Xaver Feichtmayrs des Älteren, den Deckenfresken zum Leben der Heiligen Thekla von Balthasar Riepp und den beiden Stifteraltären an den Langhauswänden. Ein schwäbisches Rokoko-Kleinod in einer Lage, die Hochstimmung erzeugt. Das spürte auch schon Ludwig Ganghofer:

„Hoch droben auf diesem Berg lag eines von den Märchengefilden meiner Kindheit.“

Und der Vater August lässt 1869 die Linden pflanzen, die heute zu einer prächtigen Lindenallee zusammengewachsen sind und zur Promenade einladen.

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    Rundwanderung 2 – „Ganghofer-Weg“ im Schwarzbrunnen  
       















 

insgesamt 8 Km; ca. 1,5 Stunden Gehzeit

1.) Ausgangspunkt Landgasthof Hirsch mit Ganghofer-Stätte in Welden.

Naturpark-Wegweisern und –markierungen auf unbefestigtem, ebenem Wanderweg (Parkplatz am Waldrand) in einer weiträumigen, idyllischen Waldlandschaft südlich folgend zum Ganghofer-Brunnen unterhalb der Schneeburg und weiter zur Ludwig-Ganghofer-Hütte im Laugnatal.

Als Förstersohn wächst Ludwig Ganghofer mit dem Wald auf, wo doch der Vater schon immer „etwas Frohes und Mildes in der Stimme“ hat, „wenn er von ‚seinem’ Walde sprach“. Bei ihm kummulieren alle mit Wald verbundenen Gefühle in mystisch verklärten Hochstimmungen und in der „Qual der Waldliebe“.

„Und erst der Wald! Du rauschende grüne Seligkeit! Du redendes Buch des Werdens und Vergehens! Du unerforschliches Geheimnis, du lachende Klarheit! Brunnen aller Dinge, die gesund sind! Heimat aller schönen und zufriedenen Träume! Und jeder Tod in dir ist neues Leben!“

„... immer steht mir zwischen schönen Dingen der Wald als das schönste, immer war mir da ein frohes Zittern im Blute, ein Jubelschrei in der Kehle, ein Staunen in den Augen. Und das ist seit damals so in mir geblieben bis zum heutigen Tage.“

Die Ludwig-Ganghofer-Hütte wird 1985 als überdachter Einkehr- und Mußeplatz am Fuße des Schwarzbrunnenberges, des liebsten Waldreviers Ludwig Ganghofers, vom Naturpark Augsburg – Westliche Wälder e.V. errichtet. So oft er sich hier herumtreibt, immer gibt es etwas Neues und Aufregendes zu entdecken, so auch einen „Wald von brennenden Christbäumen“, „drei Vaterunser lang“ – ein seltenes Elmsfeuer mit elektrischen Entladungen an den Wipfeln.

Links/östlich  weiter leicht ansteigend zur

2.) August-Ganghofer-Forsthütte

Die wundervoll idyllisch gelegene, stets verschlossene Diensthütte geht auf Ludwig Ganghofers Vater August zurück. Der lässt im Zuge seiner Forstreform in den Gehauen Hütten bauen, als Wetterschutz ebenso wie zur Vermeidung langer Anmarschwege. Für die nicht informierten Einheimischen bieten diese zumeist idyllisch gelegenen Diensthütten rasch und anhaltend Klatsch-Stoff für „Wilderer-G’schichtle“ und amouröse Förstererlebnisse. Ursprünglich steht die Ganghofer-Hütte an anderer Stelle, wurde jedoch in die aufgelassene Sand- und Schottergrube umgesetzt. Den heute noch anstehenden eiszeitlichen Schotteraufschlüssen gilt das ganze wissenschaftliche Interesse des späteren Schwiegersohns Albrecht Penck, der daraus seine Theorie der Eiszeitalter entwickelt. Noch heute kommen Geologen aus ganz Europa zu Forschungen hierher. Albrecht Penck wird damit berühmt. Unklar bleibt, woher der Berliner die exzellente Ortskenntnis solcher Aufschlüsse mitten in den weiten Wäldern hatte. Vielleicht auch von seinem späteren Schwager Ludwig Ganghofer?

Irgendwo in diesem Wald liegt immer noch Ludwig Ganghofers Schatz vergraben. Die Köchin Ottil hatte ihn dazu mit ihren G’schichtle animiert.

„So krapste ich eines Tages alles zusammen, was ich daheim an Gold und Silber erwischen konnte: mein Patenbesteck, die silbernen Löffel meiner Mutter, Papas goldene Uhr und goldene Kette. Und diesen ganzen Schatz, ein paar hundert Gulden an Wert, vergrub ich im tiefsten Dickicht des Schwarzbrunner Waldes.“

Weiter leicht ansteigend zum Abstecher Richtung Bonstetten

3.) Ganghofer-Quelle

Waldoase inmitten Ludwigs Lieblingswald mit Quellfassung und Brunnentrog

Zurück und an der Waldwegkreuzung mit den  Bienenstöcken links haltend zum

4.) Burgstall „Schneeburg“ 

Möglicherweise existiert hier schon zur Bronze- und Keltenzeit eine Burganlage oder Schanze. Die heutigen Gräben und Wälle stammen aus dem Mittelalter, wo sie als palisadenbestandener Schutz einer ungarnzeitlichen Burganlage dienen (um 1000 n. Chr.; Informationstafel am Hangfuß). Von der Waldbank an der westlichen Hangkante genießt der Wanderer einen herrlichen Blick auf das Laugnatal.

Zuletzt südlich hinab ins

5.) Laugnatal und zurück nach Welden

oder südlich weiter über Ehgatten und den Landrat-Dr.-Frey-Weg zum Anschluss an Tour 3;

oder als Variante (+ 8 km) auf markierten Naturpark-Wanderwegen zum Staufenberg, mit 575 Metern Höhe die relativ höchste Erhebung des Alpenvorlandes.

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    Rundwanderung 3 – „Jägersteig“ und „Hubertussteig“  
       


  insgesamt 8 Km; ca. 1,5 Stunden Gehzeit

1.) Start und Ziel am AVV-Haltepunkt Streitheim (Parkplatz und Orientierungskarte) mit Anschlussmöglichkeit an Tour 1 und 2

Zwischen 1903 und 1986 fährt hier die Weldenbahn. 3,5 Kilometer müssen die Streitheimer zu ihrem Bahnhof laufen. Und Ludwig Ganghofer hat es noch weiter. Entweder fährt das „Ludwigle“ mit dem damals schon existierenden ‚Zügle’ bis Westheim, oder er rennt gleich von Augsburg aus die 24 Kilometer über Aystetten und Adelsried heim. Auf der Trasse der ehemaligen Weldenbahn führt heute der Landrat-Dr.-Frey-Radweg von Neusäß in den Schwäbischen Holzwinkel und nach Welden. Er ist Teil des markierten Ludwig-Ganghofer-Radweges der Regio Augsburg. Heute bedient die AVV-Buslinie 500 die Strecke Augsburg Hbf. – Welden Bhf., beziehungsweise HP. Streitheim und Ehgatten.

Naturparkwegweisern und -markierungen folgend auf dem

2.) „Jägersteig“ ins Radschlagtal

Der auf halber Hanghöhe, zumeist eben verlaufende, schmale Waldweg über dem baumfreien Radschlagtal ist ein alter Pirschsteig aus absolutistisch-feudaler Herrschaftszeit. Entgegen der Hauptwindrichtung, so dass das Wild keine Witterung aufnehmen kann, mit bestem Blick auf die Jagdbeute, bietet der Steig ideale Voraussetzungen für das Jagdvergnügen des Augsburger Fürstbischofs und seiner Gäste. Nach 1803 fällt das Jagdrecht an den bayerischen Staat. Förster Ganghofer will den Sohn möglichst lange von der Jagd fernhalten, er weiß schon warum. Doch der „schnellte [s]eine Flitschpfeile in die Buchenkronen und verschoß [s]eine Ballesterbolzen auf Nimmerwiederfinden“. Eine abgesägte Flinte, deren Schuss bei einem ersten Pirschversuch unbeabsichtigt losging, jagt Ludwig und seinem Jagdfreund Alfons einen gehörigen Schreck ein. „Dem Alfons fuhr das Feuer und der Schuß so dicht am Bauch vorbei, daß er ein Brandloch ins Kittele bekam und an seinem ‚Leible‘ (=Hemd, d. Verf.) ein Tuchfetzen und zwei Knöpfe fehlten“. Ludwig bekommt daraufhin vom Vater seine ersten Hiebe mit der Hundepeitsche, und noch schlimmer, er verliert seinen Alfons als Freund – aus Angst vor weiteren folgenschweren Jagdabenteuern.

3.) Rappenbachtal – Pirschsteig Hubertussteig – Hubertus-Hütte

Steig- und Hüttenname erinnern an Ludwig Ganghofers imposantes „Haus Hubertus“ im Leutasch, seiner späteren zweiten Heimat und gesellschaftlichen Treff herausragender Künstler seiner Zeit (u.a. Hugo von Hoffmannsthal, Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Kaulbach, Stuck, Kobell, Rilke, Defregger, Thomas Mann, Richard Strauss). Zuletzt sind es allein 35 Gästezimmer, um alle „Adabeis“ unterbringen zu können. Als  gefeierter „Dichterfürst“ liegt ihm viel an gepflegter Hofhaltung. Zahlreiche „Hochlandromane“ entstehen dort. Auch nächtens, wie es der Vater mit seinen Forstpublikationen vorexerziert hat. In Welden, wo all diese Lebensform im Kleinen und Heimeligen seinen Ursprung hat.

Auf dem Hubertussteig weiter und über den Jägersteig wieder zurück zum4.) Ausgangspunkt oder nach Welden.

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