7. Juli 1855 in Kaufbeuren – 24.
Juli 1920 in Tegernsee
Mit vier Jahren kommt Ludwig Ganghofer
1859 zusammen mit den Eltern nach Welden, besucht dort von 1861
bis 1865 die Schule und veranstaltet als Anführer zusammen
mit seinen drei „Herz- und Blutsbrüdern“ im Dorf
und im heiß geliebten Wald reichlich Abenteuer und Lausbubereien,
die dank eines geheimen Zauberspruchs zumeist gut ausgehen und
seinen lebenslangen Optimismus begründen.
Warmherzige Geborgenheit
in der intakten Försterfamilie und
die traditionsgeleitete, liebevoll menschelnde Dorfkultur Weldens
formen sein positives Menschenbild und lassen ihn daraus holzschnittartige
Rollen gestalten, die nach Weldener Modellen in seinen späteren
Heimatstücken wieder auftauchen. Früh regt sich im „Ludwigle“ durch
das aktive Vorleben der hochgebildeten Mutter die Liebe zum Theaterspiel,
zum Reimen und Dichten. Welden liefert das Muster gelebter und
geliebter Heimat für den Schöpfer der deutschen Heimatdichtung.
Die folgende Internatszeit 1865 – 69 versucht die ungebändigte
und überschäumende Lebensfreude Ludwigs zu kultivieren.
Doch richtig aufleben darf er erst wieder in den Ferien, und das
natürlich daheim im neuen Weldener Forsthaus. Als schwieriger,
da eigenständig sich entwickelnder Schüler zeigt er sich
auch von 1869 – 72 am Realgymnasium Augsburg und bis zum
Abitur 1873 in Regensburg.
Seine „flinken Hände“ veranlassen ihn danach
zu einem Schlosserpraktikum in der Augsburger Maschinenfabrik Riedinger
mit dem Berufsziel Ingenieur. Ludwig leistet seinen Wehrdienst
bei der Kavallerie in Würzburg, wohin seine Eltern umgezogen
sind, und erkrankt dort schwer an Typhus. Noch ein Mal, ein letztes
Mal, kommt er in den Schwäbischen Holzwinkel, wo er beim hochverehrten
Pfarrer von Hegnenbach Genesung sucht – und findet. Offenbar
auch eine entscheidende Wendung in seinem Leben, den nun beginnt
er an den Universitäten Leipzig, Berlin und Halle mit literaturgeschichtlichen
und politischen Studien, schreibt 1875 seine erste Novelle und
begründet 1880 mit dem „Herrgottschnitzer von Ammergau“ die
deutsche Heimatdichtung.
1881 bekommt er eine Stelle als Dramaturg
am Wiener Ringtheater. Dort lernt er auch seine Frau Kathinka kennen,
mit der zusammen er vier Kinder hat. Der Königssee im Berchtesgadener Land
wird Ludwig Ganghofer ab 1883 zur neuen, zweiten Heimat, die reichlich
literarischen Stoff liefert. Weitere Romane, Gedichte und Geschichten
erscheinen. Am Grab seines Heimatdichterkollegen Anzengruber, mit
dem er sich nie richtig verstanden hatte, hält er 1889 die
Trauerrede. 1893 ziehen die Ganghofers nach München, der aufkeimenden „Traumstadt
für die originellsten Köpfe und Begabungen aus alle Welt“ (Thumser),
wo auch sein inzwischen verwitweter Vater lebt. Der erfolgreiche
Autor und Volkstheaterbegründer Ganghofer hat in Künstlerkreisen
und in der Gesellschaft inzwischen einen Namen.
Man hält in
der noblen Stadtwohnung Hof, fördert Talente wie Karl Valentin,
pflegt die Kontakte um die „Simplicissimus“-Macher
und gründet 1897 die „Münchner Literarische Gesellschaft“.
Im gleichen Jahr erwirbt Ludwig Ganghofer im Tiroler Gaistal ein
Waldhaus, das als „Jagdhaus Hubertus“ Mittelpunkt gesellschaftlichen
Lebens inmitten eines hochalpinen Jagdreviers südlich der
Zugspitze wird. Der „Dichterfürst“ und „Alpenkönig“ hat
seinen Zenit erreicht. Neue Hochlandgeschichten und –romane
entstehen zumeist nächtens, wie es der Vater im Weldener Forsthaus
vorgelebt hatte. Höchst erfolg- und ertragreich natürlich.
Und die von der Mutter inspirierte Begeisterung für das Malen
und Porträtzeichnen, ebenso wie für die Musik und das
Singen, kommt nun zur Entfaltung. Absolut höchste Lustpartie
ist für Ludwig Ganghofer die Hochgebirgsjagd. Auch Segeln
und Radeln bedeuten ihm viel. Letzterem widmet er sogar Aufsätze
in Fachzeitschriften.
1909 beginnt er mit seinen autobiographischen
Aufzeichnungen, die später als „Lebenslauf eines Optimisten“ sein
Erinnerungsbild an die Kinderzeit in Welden bewahren. Erste Filme
entstehen 1912/13 nach Ganghofer-Texten. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs
entfacht auch bei Ludwig Ganghofer nationale Begeisterung, zumal
Kaiser Wilhelm II. seinen Roman „Der Ochsenkrieg“ als
Lieblingsbuch nennt. Er textet Soldatenlieder und schreibt Militärberichte.
Erst spät distanziert er sich vom Kriegsgeschehen und kehrt
in sein ursprüngliches literarisches Genre zurück. Übrigens
schätzte ihn auch der bayerische „Märchenkönig“ Ludwig
II. und vermittelte ihm persönlich die Jagderlaubnis in den
Ammergauer Bergen.
Die Familie Ganghofer bezieht nach Kriegsende
ein neues Domizil in Tegernsee, wo inzwischen auch Ludwig Thoma
lebt. Die Tradition des familiären Forstdienstes, zusammen
mit der gemeinsamen persönlichen Begeisterung für die
Jagd und die Dichtung, wird beiden zum Bindeglied einer tiefen
Männerfreundschaft in den letzten Tegernseer Lebensjahren.
Ludwig Ganghofer stirbt dort am 24. Juli 1920 über seiner
unvollendeten Autobiographie und ruht auf dem Friedhof in Rottach
am Tegernsee. Seit 1909 ist er Ehrenbürger von Welden.
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